Sitzung: 26.11.2013 Jugendhilfeausschuss
Vorlage: 962/2013
Beschluss:
Der Jugendhilfeausschuss empfiehlt dem Rat der Stadt, die in der Anlage
aufgeführten Haushaltsansätze in den Gesamthaushalt der Stadt Geilenkirchen für
das Jahr 2014 einzustellen und zu verabschieden.
Frau Tings erkundigte sich in Bezug auf die Vorlage danach, wie es allgemein zur Kostensteigerung komme. Frau Kals-Deußen ergänzte die Frage, ob die gleich bleibenden Kosten bei den Sozialpädagogischen Familienhilfen eventuell in Zusammenhang mit den gestiegenen Kosten für die Heimerziehung stehen könnten.
Herr Schulz erläuterte, dass aus seiner Sicht drei Aspekte bei der Analyse der Zahlen interessant seien. Betrachte man die Fallzahlen, so stelle man fest, dass diese sich stabilisiert hätten. Nach dem extremen Anstieg 2010 seien verschiedene Maßnahmen zur besseren Kontrolle der Kosten getroffen worden. Gemeinsam mit den anderen Jugendämtern im Kreis habe man z.B. gemeinsame Leistungsstandards entwickelt und könne damit die Gegenleistung besser definieren. Der Umfang und die Dauer der Hilfen können besser gesteuert und die Ziele eher erreicht werden. So käme man im Bereich der ambulanten Hilfen zwar gleichbleibend auf ca. 100 Fälle, bei gleichzeitig geringeren Kosten von 250.000 €.
Ganz anders sei die Lage bei den Heimerziehungen, hier seien die Fallzahlen zwar rückläufig, aber die einzelnen Fälle würden immer teurer. Teilweise sei es sogar schwierig überhaupt einen passenden Platz zu finden. Über Zusatzleistungen die die Heime einfordern käme man in Einzelfällen teilweise auf Kosten von bis zu 9.000 € monatlich in Einzelfällen, der Schnitt läge bei etwa 6.000 €. Diesen Trend würden im Übrigen auch viele andere Jugendämter verzeichnen.
Neben diesen Punkten aus dem Bereich der Hilfen zur Erziehung würde natürlich auch der U3-Ausbau seine Auswirkungen zeigen. Durch verringerte Gruppengrößen und dementsprechend höhere Kopfpauschalen stiegen auch hier die Kosten, zudem setze man vermehrt auf Tagespflege, um den Rechtsanspruch zu erfüllen.
Herr Mesaros stellte zunächst fest, dass Schwankungen in den Fallzahlen ganz normal seien und zunächst einmal keine Aussage über Qualität der Arbeit treffen. Er ging auf die erwähnten schwierigen Fälle im Bereich der Heimerziehung ein und wollte wissen, wie der Verlauf eines solchen Falles aussehe.
Herr Schulz bat Herrn Nilles hier einige Fälle zu erläutern, da er diese aus seiner täglichen Arbeit am Besten kenne. Herr Nilles berichtete, dass sich in diesen Fällen in der Regel nach einiger Zeit Auffälligkeiten zeigen würden, die zu Beginn so noch nicht abgeschätzt werden konnten. Oftmals würden sich Verhaltensweisen die auf Traumatisierungen in früher Kindheit hindeuten erst im Verlaufe der Zeit einstellen. Die Heimeinrichtungen sähen sich dann mit diesen Auffälligkeiten überfordert und forderten entweder zusätzliches Personal ein oder müssten die Betreuung beenden. In der Regel sei dann nur eine Einrichtung mit entsprechend teurem Intensivangebot bereit, diese Kinder und Jugendlichen dann aufzunehmen.
Je nachdem welche Auffälligkeiten die Kinder zeigen seien teilweise bis zu 30 Anfragen oder mehr erforderlich, um überhaupt eine Einreichung zu finden, die zur Aufnahme bereit sei. Eine entsprechende Auswahl, sowohl was das pädagogische Konzept als auch den Tagessatz betreffe, sei so gar nicht möglich.
Herr Mesaros fragte nach, ob man keine Mechanismen finden könne um diese teuren Fälle frühzeitiger bearbeiten und einen günstigeren Verlauf schaffen zu können. Herr Nilles erwiderte, dass die Möglichkeiten sehr begrenzt seien. Wie erwähnt, zeigten sich viele Auffälligkeiten in ihrer massiven Form erst im Laufe des Heranwachsens, so dass selbst Fälle in denen frühzeitig bereits ambulante Hilfen geleistet werden, diesen Verlauf nehmen könnten. Sofern keine besonderen Anhaltspunkte vorlägen, könnten die Kinder nicht früher aus den Familien genommen werden.
Dazu kämen noch eine ganze Reihe von Fällen, in denen – teilweise auch mehrere Geschwisterkinder – durch das Jugendamt in Obhut genommen werden mussten, weil die Kinder dort körperlicher Gewalt ausgesetzt waren. Diese Familien waren größtenteils vorher nicht bekannt, so dass auch im Vorfeld kein Einfluss genommen werden konnte, dann aber umgehend zum Schutz der Kinder reagiert werden musste.
Frau Jeurissen ergänzte dazu, dass sie auch aus ihrer eigenen Tätigkeit beobachten könne, dass zunehmend Kinder psychisch kranker Eltern untergebracht werden müssten. Die Erkrankung bzw. die Folgen daraus für die Kinder würden oftmals zu spät festgestellt. Möglicherweise könne aber auch durch solche Institutionen wie den Familienhebammendienst so etwas in Zukunft früher festgestellt werden.
Beigeordneter Brunen nahm ebenfalls zu den vorgelegten Zahlen Stellung. Er wolle an dieser Stelle noch einmal deutlich dem Vorwurf entgegentreten die Ansätze würden verringert um Kosten zu sparen. Vielmehr sei es so, dass die Haushaltsansätze von den Fallzahlen her kalkuliert würden und diese dann so auch in den Haushaltsplan eingestellt würden. Diese Verfahrensweise habe in den vergangenen Jahren sehr gut funktioniert. Mit Blick auf die gesamte Zeit des städtischen Jugendamtes sei dessen Bilanz unterm Strich positiv. Die angesprochenen Schwankungen herausgerechnet sei es nicht teurer als die fiktiv an ein Kreisjugendamt zu zahlende Umlage.
Ausschussvorsitzende Kals-Deußen stellte fest, dass das Jugendamt Geilenkirchen nah an den Menschen sei und dies sei auch das Ziel der Politik bei dessen Einrichtung gewesen. Die einstimmige Annahme des Beschlussvorschlags sei auch als Bestätigung der guten Arbeit zu sehen, für die sie an dieser Stelle auch ausdrücklich vielen Dank sagen wolle.
Abstimmungsergebnis:
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Ja: |
14 |
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Nein: |
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Enthaltung: |
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